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Erstbetreuungen abgeschlossener Dissertationen durch Prof. Dr. Riklef Rambow

Autorin: Maike Buttler
Titel: Integration partizipatorischer Verfahren in Bewertungssysteme
internationaler Nachhaltigkeits-Zertifikate für Bauwerke

Zweitgutachter: Prof. Dipl.-Ing. Andreas Wagner, Fachgebiet Bauphysik und Technischer Ausbau, KIT
Disputationstermin: 13.07.2017

 

Nutzerorientierte Planung in Bürogebäuden mit Nachhaltigkeits-Zertifikaten

Die Bedürfnisse und das Verhalten von Gebäudenutzerinnen und -nutzern weichen oft von den Erwartungen von (Fach-)Planern ab. Durch dieses Phänomen kann der prognostizierte Energie- und Ressourcenverbrauch in der Nutzungsphase von Gebäuden überschritten werden, und auch die Nutzerzufriedenheit kann negativ beeinflusst werden. Das trifft besonders auf Gebäude mit Nachhaltigkeits-Zertifikaten zu, bei denen durch ein innovatives Gebäudetechniksystem der Ressourcen- und Energieverbrauch gesenkt werden soll. Um aufwändige Nachbesserungen zu vermeiden, sollte schon das Gebäudekonzept weitgehend mit den Nutzerbedürfnissen harmonieren. Daher ist es wichtig, diese bereits in frühen Planungsphasen in Erfahrung zu bringen. Allerdings ist eine nutzerorientierte Prozessgestaltung bei der Bürogebäudeplanung in Deutschland bis dato wenig ausgeprägt und auch in der Nachhaltigkeitsbewertung spielt dieser Aspekt eine untergeordnete Rolle und wird wenig spezifiziert – so auch im Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) für Büroneubauten.

Daher lautet die erste Forschungsfrage „Wie wurde die Nutzerorientierung bei der Bedarfsplanung, Planung und Umsetzung zertifizierter Bürogebäude gestaltet?“ Durch Beantwortung der zweiten Frage „Welche Faktoren befördern, welche hemmen den Prozess der Nutzerorientierung bei der Bedarfsplanung, Planung und Umsetzung BNB/DGNB zertifizierter Bürogebäude, besonders im Hinblick auf die spätere Nutzerzufriedenheit?“ wird der kausale Zusammenhang zwischen der Nutzereinbeziehung im Gebäudeerstellungsprozess und der späteren Nutzerzufriedenheit hergestellt. Es wurde ein Ex-Post-Forschungsdesign entwickelt, um alle vorab benannten Phasen im Gebäudelebenszyklus empirisch zu untersuchen. Die drei genauer untersuchten Fallbeispiele wurden durch das Merkmal, sich in der nutzerorientierten Prozessgestaltung möglichst stark zu unterscheiden, ausgewählt. Um die dritte Frage „Wie können Erfolgsfaktoren der nutzerorientierten Gestaltung in das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) für Bürogebäude integriert werden?“ zu beantworten, wurden die Ergebnisse der empirischen Untersuchung mit dem BNB-System zusammengeführt.

Der Fallbeispielvergleich zeigt, dass nicht eine intensive Nutzereinbeziehung per se in der Bauwerksplanung zu einem hohen Grad an Zufriedenheit führt, sondern dass diese davon abhängt, in welchem Kontext das Bauvorhaben steht und wie die nutzerorientierte Planung gestaltet wird. In den Dialog um nachhaltiges Bauen sollten die zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer aktiv einbezogen werden, um Zielkonflikte nach Inbetriebnahme zu vermeiden. Ferner bestätigen die Untersuchungsergebnisse, dass die Standards für die nutzerorientierte Gestaltung im BNB-Bewertungssystem für Bürogebäude (Neubau) weiter ausgebaut werden sollten, zum Beispiel um die Definition der Gebäudenutzerinnen und -nutzer, deren Arbeitsmerkmale und deren Haltung zu nachhaltigem Bauen, die Repräsentativität der Nutzerinteressen und der Status Quo der Beteiligungskultur einer Nutzerorganisation.

Zweitbetreuungen abgeschlossener Dissertationen durch Prof. Dr. Riklef Rambow

Autor: Jan Bech
Titel: Die Funktion des öffentlichen Bauherrn im Projektmanagement – Bauherrenaufgaben im Projektlebenszyklus, dargestellt anhand von Fallstudien aus Schleswig-Holstein
Erstgutachter: Prof. Dr.–Ing Wolfdietrich Kalusche, Lehrstuhl Planungs- und Bauökonomie, BTU Cottbus
Disputationstermin: 18.12.2013

 

Ziel der Arbeit ist die Darstellung der Einflussmöglichkeiten des (öffentlichen) Bauherrn als entscheidende Ursache und Notwendigkeit für den Projekterfolg mittels einer Analyse von Symptomen, die sich anhand von Indikatoren aus der Institutions-, Prozess- und Verfahrenslehre der Planungs- und Bauökonomie beschreiben lassen. Es sollen Lösungen zur Erreichung von störungsfreien Projektabläufen entwickelt, die hierfür notwendigen Projektstrukturen für komplexe wie auch einfache Bauprojekte dargestellt, und die Umsetzungsproblematik und Risiken in der Praxis beschrieben werden. Die Problematik einer Zielinkongruenz (d.h. Verfolgung des Projektgesamtziels anstelle von Einzelinteressen) der am Projekt Beteiligten wird hierzu genauer untersucht. Forschungsfragen: 1. Die Aufgaben in einem Projekt sind im Wesentlichen den drei Hauptfunktionen zuzuordnen. Welche Aufgaben entfallen dabei zu welchem Zeitpunkt im Projekt auf die Funktion des Bauherrn? 2. Störungen (Symptome) in Projekten zeigen sich in Form von konkreten fachlichen Defiziten oder persönlichen Konflikten zwischen den Beteiligten. Findet sich die eigentliche Ursache in Fehlern und Versäumnissen, welche sich aus dem gesamten Projektablauf oder dem Objektmanagement ergeben? 3.1 Für jedes Projekt ist vom Projektleiter (des Bauherrn) nicht nur das optimale Maß an Aufbau- und Ablauforganisation zu definieren, er hat die gewählte Projektorganisation auch einzufordern und durchzusetzen sowie vorausschauend Risiken im Projekt rechtzeitig zu erkennen und diese mit steuernden und kontrollierenden Maßnahmen zu minimieren. Besitzt er damit die entscheidende Rolle im Projekt? 3.2 Der Projektleiter des (öffentlichen) Bauherrn kann fachliche Fehler der Projektbeteiligten nicht verhindern, kann er jedoch die Risiken für Fehlentwicklungen im Projekt maßgeblich minimieren? Methodik: Im Fokus der Untersuchung stehen die Wechselbeziehungen zwischen den drei Hauptfunktionen in Bauprojekten in den Ablaufphasen des baulichen Projektmanagements, von der Bedarfsplanung bis zur mangelfreien Baufertigstellung. Hierzu erfolgt eine Literaturrecherche zum aktuellen Stand der Forschung, in der insbesondere ob der vielfältig verwendeten Begriffe im Bauwesen Begriffsdefinitionen herausgearbeitet werden. Die wesentlichen Aufgaben des Bauherrn in den jeweiligen Projektphasen sind in den Ablaufschemata der AHO, HOAI (RB-Bau und HB-Bau) sowie der GPM beschrieben. Diese werden zu einem idealen baulichen Projektablauf als Vergleichsschema und Sollvorgabe zusammengefasst und dargestellt. Anhand eines halbstandardisierten Interviewverfahrens für Projektfallstudien werden Interviews mit ausgewählten repräsentativen Personen aus der Bauherrenschaft, den Planern und möglicherweise auch Baufirmen aus Schleswig-Holstein geführt. Die Ergebnisse der Interviews (Ist) werden analysiert, indem sie dem idealen Projektablauf (Soll) gegenübergestellt werden.

 

 

Autorin: Daniela Konrad, Dipl.-Ing. M.Arch.
Titel: "Ortsspezifische Architektur. Untersuchungen zur theoretischen und methodischen Fundierung einer mehrdimensionalen Beziehung zwischen Ort und Gebäude"
Erstgutachterin: Prof. Stefanie Bürkle, Technische Universität Berlin
Disputationstermin: 24.04.2012


Ortsspezifische Architektur kann als Architektur beschrieben werden, die sich in einen bestimmten Bereich unserer Natur- oder Kulturlandschaften, einfügt, mehr noch, die Charakteristika der Umgebung zu entwurfsbestimmenden Faktoren macht und als Gesamtgefüge eine gestärkte Einheit bildet.
Der Ortsbezug in der Architektur und die Ortsanalyse als vorbereitender Schritt für einen architektonischen Entwurf sind keine neuen Phänomene. Vielmehr müssen sie als seit jeher mit dem Bauen in Verbindung stehend bezeichnet werden. Die Positionen zum Verständnis einer Ort-Gebäude-Beziehung zeugen seit der Nachmoderne jedoch von einer Heterogenität, aus welcher kein übergeordneter Denk- und Arbeitsansatz hervorgegangen ist. Während einerseits inhaltlich-thematisch eine Vielzahl von Forderungen nach einem zukunftsweisenden Ortsbezug in der Architektur formuliert werden (vgl. u.a. Venturi/Scott Brown/Izenour 1972; Frampton 1983), wird andererseits eine Entwurfspraxis, die auf einem engen Bezug zwischen einem Gebäude und seiner Umgebung beruht, vermehrt als traditionell und wenig inspirierend verstanden (vgl. u.a. Ronner 1975: 6). Darüber hinaus wird ersichtlich, dass zahlreiche Positionen lediglich eine eindimensionale, sich auf räumlich-materielle Aspekte beschränkende Betrachtung der Beziehung zwischen dem Ort und der Architektur fokussieren. Gleichwohl rückt mit der gegenwärtig zunehmenden Kritik an einer typologischen Bauweise (vgl. u.a. Sewing 2003: 57), den erkennbar gewordenen Auswirkungen der Globalisierung (vgl. u.a. Mönninger 1997: 10) und den Forderungen nach einer zukunftsfähigen Baukultur (vgl. u.a. Valena 1994: 9–10) der Ort als Ausgangspunkt des Bauens immer wieder an eine vorrangige Stelle des architektonischen Diskurses und begründet die Notwendigkeit, einen systematischen Ausgangspunkt zu bereiten, von dem aus das ortsspezifische Entwerfen verstanden und weiterentwickelt werden kann.
Aus diesem Bedarfskontext definiert sich das zentrale Anliegen der Dissertation, einen Beitrag zur Klärung der Bedeutung des Ortes für die Architektur und zur Präzisierung der Ort-Gebäude-Beziehung zu leisten.
Ausgangshypothese der Arbeit ist, dass eine eindimensionale Betrachtung des Ortes zu kurz greift und unser heutiges Ortsverständnis in der Architektur als mehrdimensionales Gefüge aus räumlich-materiellen, sozial-kulturellen, zeitlich-prozesshaften und symbolisch-abstrakten Eigenschaften zu beschreiben ist, auf die eine ortsspezifische Architektur in der Gesamtheit Bezug nehmen muss. Zur Verifizierung soll zunächst eine Systematisierung relevanter Positionen in der Geschichte der Architekturtheorie vorgenommen werden. Spezifisch werden theoretische Verständnisse des Ortes und der Ort-Gebäude-Beziehung, der Analyse- und Entwurfsmethoden sowie der Ausprägungen des Ortsbezugs im gebauten Werk untersucht. Dabei ist von besonderem Interesse aufzuzeigen, welche Eigenschaften eines Ortes entsprechend der für die Arbeit gewählten vier Dimensionen berücksichtigt werden und anhand welcher analytischen und operationalen Herangehensweisen diese im architektonischen Entwurf Beachtung finden. In einem anschließenden Schritt sollen Parameter des Ortes katalogisiert und ein Instrumentarium zum zeitgenössischen ortsspezifischen Entwerfen entwickelt werden. Abschließend wird die Definition des Ortes als vierdimensionales Gefüge für eine zukunftsfähige ortsspezifische Architektur bewertet.



Frampton, Kenneth (1983): “Towards a Critical Regionalism. Six Points for an Architecture of Resistance,” in: Foster, Hal (Hrsg.): The Anti-Aesthetic. Essays on Postmodern Culture, New York: The New Press, 1998, S. 17–34.
Mönninger, Michael (1997): Stadtansichten. Architekten, Orte, Häuser, Regensburg: Lindinger und Schmid.
Ronner, Heinz (1975) “Zur Lage der Architektur im Tessin,” in: Steinmann, Martin (Hrsg.): Tendenzen – neuere Architektur im Tessin, Zürich: ETHZ, 1975, S. 3–8.
Sewing, Werner (2003): Bildregie. Architektur zwischen Retrodesign und Eventkultur, Bauwelt Fundamente, Bd. 126, Basel; Boston; Berlin: Birkhäuser.
Valena, Tomáš (1994): Beziehungen: Über den Ortsbezug in der Architektur, Berlin: Ernst & Sohn.
Venturi, Robert; Scott Brown, Denise und Izenour, Steven (1972): Learning from Las Vegas, Cambridge; London: MIT Press.