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a*komm | außer der Reihe #4: Wischen, Scrollen, Blättern. Neue Formen der Architekturpublikation. Ein Gesprächsabend mit drei Gästen. 

 

Das Semesterende nähert sich, die Arbeitsbelastung und Termindichte der Studierenden wie auch der Lehrenden wächst: Am dritten Gesprächabend war der Publikumszuspruch merklich geringer als bei den beiden vorherigen. Umso interessanter war das Programm, das sich diesmal der Frage widmete, in welche Richtungen sich Architekturberichterstattung und -journalismus entwickeln. Denn dass sich in diesem Bereich angesichts der rasanten medialen Veränderungen schon viel verändert hat und weiterhin noch mehr verändern wird, steht außer Frage. Dass diese Veränderungen Rückwirkungen auf das Selbstverständnis der Architektur wie auch auf ihre Außenwahrnehmung haben, ist ebenso evident. Aber ob diese Auswirkungen positiv oder negativ zu bewerten sind, ob sie eher eine Chance oder eine Gefahr für die Baukultur darstellen, genau das gilt es zu klären und wenn möglich aktiv mitzugestalten. 

Dr. Alexander Gutzmer, Chefredakteur des traditionsreichen „Baumeister“, eröffnete den Abend. Er beschrieb die Konzepte, die dem Relaunch der Fachzeitschrift zugrunde lagen, und schilderte, wie sich die Wahrnehmung und auch die Leserschaft der Zeitschrift seither verändert haben. Klar ist, dass Printprodukte, wenn sie eine Zukunft haben wollen, genau die Qualitäten ins Zentrum ihres Angebots stellen müssen, die das schnellere und preisgünstigere Internet nicht bietet. 

Florian Heilmeyer, Architekturjournalist und Kurator aus Berlin, stellte mit „uncube magazine“ ein bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnetes Netzformat vor, das den Thesen von Alexander Gutzmer auf den ersten Blick zuwider zu laufen scheint. Es handelt sich um ein Format, das ganz bewusst Qualitäten des klassischen Printmagazins oder Feuilletons ins Internet zu übertragen versucht und dabei erstaunliche Resultate erzielt. In der Diskussion wurde dann allerdings auch die Frage geäußert, ob uncube nicht eigentlich auf eine Zukunft als Printmagazin hinsteuert. Die hohe Qualität von Bildern und Texten scheint zumindest bei einigen Lesern den Wunsch zu wecken, das Magazin ganz physisch anfassen und durchblättern zu können.

Ein großer Vorteil des Internetmagazins gegenüber dem Print ist, wie Florian Heilmeyer durch Beispiele belegte, die Möglichkeit der Einbindung von Bewegtbildern und Tonspuren. Dieser Aspekt leitete über zu dem Beitrag von Christopher Kappelhoff-Wulff, der seinen Weg vom Architekturstudium zu seiner heutigen Tätigkeit als Geschäftsführer von builtby.tv, einer auf Architektur- und Stadtthemen spezialisierten Filmproduktionsfirma, nachzeichnete. Bisheriger Höhepunkt dieses Weges ist die Sendereihe „Meine Stadt/Ma Ville“, die builtby.tv für arte produziert hat. Christopher Kappelhoff-Wulff verschwieg nicht, dass es äußerst mühsam ist, das Thema Architektur ins Fernsehen zu bringen. Häufig stehen die Ansprüche der Redakteure im Widerspruch zu den Vorstellungen, die Architekten von der richtigen Vermittlung von Architektur haben. Insofern überraschte es nicht, dass auch hier sehr kontrovers diskutiert wurde, wie weit man architektonische Themen vereinfachen kann bzw. darf, ohne dass man dabei trivial oder populistisch wird.

Unterm Strich hatte dieser Abend eher einen Workshop-Charakter, und diejenigen, die kamen, gingen nach dreieinhalb Stunden konzentrierter Arbeit mit einer Menge Anregungen und Fragen nach Hause, die für die Architekturkommunikation auch zukünftig höchste Bedeutung haben werden.

 

Informationen zu den Vortragenden

 

Fotos: Willy Abraham für a*komm.