Autorin: Kristina Nenninger
Titel: Architekturkommunikation im Wettbewerbswesen – Normen und Texte im Wandel. Diskursanalytische Studien anhand der Zeitschrift wa wettbewerbe aktuell (1971-2021)
Beginn: April 2026
Die Dissertation möchte in einer diskursanalytischen Untersuchung die Architekturkommunikation im wirkmächtigen Wettbewerbswesen beleuchten. Den Corpus bildet dabei die Zeitschrift „wa wettbewerbe aktuell“ der Jahrgänge von 1971 bis 2021 mit rund 15.000 Auslobungen und Preisgerichtsbeurteilungen (je 1500–2500 Zeichen), die dort unkommentiert abgedruckt wurden.
Zentraler Fokus liegt auf der Frage, wie diese Texte (verfasst von Architekten-Juroren) die Architekturwahrnehmung konstituieren, explizite und implizite Normen von „guter“ und „schlechter“ „Baukultur“ transportieren, und wie sich diese diachron wandeln.
Da die Texte zum einen in einer für Außenstehende geschlossenen Situation entstehen (als Abschluss einer Jury-Sitzung) und zum anderen von Architekten verfasst werden, die damit ihre Entscheidung legitimieren und ihr räumlich-visuelles Denken in die Linearität der Sprache übersetzen, gibt es immer wieder Kritik an der „Black Box“ der Wettbewerbe: mangelnde Transparenz, keine Nachvollziehbarkeit der Urteile etc.
Der methodische Zugriff der Arbeit basiert auf den textsemantischen Operationen der Diskursanalyse: Erfolgen soll eine Analyse des pragmatisch-kommunikativen Rahmens (z. B. Auslober, Juryzusammensetzung und -empfehlung, Verfahrensart), der Makrostruktur (z.B. Struktur/Aufbau der Urteile) und der Mikrostruktur mittels Schlagwort-, Topos-, Frame- und Metaphernanalyse. Die Relevanz liegt in der Aufdeckung argumentativer Logiken, der Verbesserung der Wettbewerbskommunikation und der Rekonstruktion sich wandelnder Baukulturvorstellungen über fünf Jahrzehnte.
Autorin: Franziska Kopf
Titel: Der Verlust der Abstraktion. Fotorealistische Architekturvisualisierungen im Spannungsfeld zwischen Realität und Spekulation
Beginn: November 2022
Die gängige Verhandlungsstrategie von Architekturentwürfen besteht darin, diese innerhalb eines Expert*innen-Kreises, bestehend aus Architekt*innen und Planer*innen, zu entwickeln und dort zu diskutieren. Um ein Verständnis der Architektur und dadurch ihre Wertschätzung zu fördern, ist es jedoch wichtig, bereits das Ungebaute der Öffentlichkeit zu vermitteln. Dies geschieht mithilfe fotorealistischer Architekturvisualisierungen, die den Entwurf wirklichkeitsgetreu darstellen und ihn so nachvollziehbar kommunizieren sollen.
Obwohl diese den Kommunikationsprozess durch ihre einfache Verständlichkeit erleichtern sollen, werden sie von Fachleuten zunehmend kontrovers diskutiert. Wesentliches Argument dieser Diskussion ist die Suggestivwirkung fotorealistischer Architekturdarstellungen: Das Bild enthält strategische und politische Intentionen und besitzt häufig einen Werbecharakter. Als Folge werden Erwartungen an das physische Gebäude evoziert, die mitunter nicht eingehalten werden können. Fotorealistische Darstellungen bewegen sich daher in einem Spannungsfeld zwischen Realität und Spekulation. Die Arbeit greift die These auf, dass dieses Kommunikationsmedium über seine rein informative Funktion hinaus die Vorstellungen der gebauten Umwelt maßgeblich formt.
Um herauszufinden, wie das Phänomen „fotorealistische Architekturvisualisierung“ unsere gegenwärtige Baupraxis und -kultur, die damit verbundenen Entscheidungsprozesse und die Teilhabe der Öffentlichkeit am Fachdiskurs beeinflusst, soll dieses auf seine kommunikativen Eigenschaften untersucht werden.
Das Ziel ist es, den suggestiven Charakter dieser Art von Architekturvisualisierungen zu definieren und seine Wirkungsweise in der Expert*innen-Lai*innen-Kommunikation zu überprüfen. Die Verwendung dieses Präsentationsmittels kann somit eingeordnet und seine Funktion als Kommunikationsinstrument reflektiert werden. Dies kann einen angepassten Umgang mit fotorealistischen Architekturvisualisierungen ermöglichen, den Blick für alternative Darstellungsweisen weiten und die Strategien der Architekturkommunikation anreichern.
Die Arbeit wird durch ein Promotionsstipendium der Konrad-Adenauer Stiftung gefördert.
Autorin: Tamara Kessel
Titel: Autismusfreundliche Barrierefreiheit planen und bauen
Beginn: Oktober 2020
Autor: Gregor Jonas Brundke, M. Sc.
Titel: YouTube als Archiv architektonischer Referenzen
Beginn: Juni 2020
Autorin: Barbara Żak
Titel: Hochkonjunktur für den Begriff der Umbaukultur. Diskursanalyse zur Evolution, Konnotation und Wirkkraft einer der populärsten Begriffe in der aktuellen Nachhaltigkeitsdebatte der Architektur.
Beginn: Juli 2019
Nahezu kein Text, kein Podium und keine Ausstellung im Feld der Architektur kommen gerade ohne ihn aus: den Begriff der Umbaukultur. Im Kontext der aktuellen Nachhaltigkeitsdebatte hat er Hochkonjunktur. Er wird zunehmend ausgerufen und seine Umsetzung eingefordert, meistens im Imperativ. Damit ist er zu einem Synonym für die Rettung der gebauten Umwelt in eine lebensfähige Zukunft geworden. Gleichzeitig ist der Begriff der Umbaukultur in seiner Bedeutung nicht klar definiert und bisher auch nicht ausreichend erforscht. Ebenso zieht er bisher keinerlei politischen oder gesetzlichen Handlungskonsequenzen nach sich. Diese Erkenntnis ist dahingehend verwunderlich, dass der Akt des Umbauens so alt wie das Bauen selbst ist. Diese Forschungsarbeit widmet sich daher den folgenden Fragen: Was genau beschreibt der Begriff in seiner heutigen Art der Verwendung? Was ist tatsächlich neu an diesem Begriff? Warum erfährt er aktuell so viel Popularität? Und welche tatsächliche Wirkkraft geht von ihm aus? Mithilfe einer Diskursanalyse sollen Antworten auf diese Fragen gefunden werden. Hierbei soll der zeitliche Rahmen der Untersuchung die 1970er Jahre bis heute umfassen. Denn spätestens mit der Veröffentlichung des Berichts Die Grenzen des Wachstums des Club of Rome im Jahr 1972 sind umweltrelevante Themen wie beispielsweise Ressourcenknappheit, CO2-Ausstoß oder Müllaufkommen in einem globalen Zusammenhang einer breiten Öffentlichkeit bekannt. In Archiven von Fachzeitschriften, Ausstellungsprogrammen sowie weiteren diskursrelevanten Medien im deutschsprachigen Raum soll recherchiert werden, welche verschiedenen Begriffe es für das Umbauen im Laufe der Zeit gab. Wortfeldanalysen sollen darstellen, im Kontext welcher Diskurse (ideell, ästhetisch, ökonomisch, historisch, gesellschaftlich) diese Begriffe verwendet wurden und ob sie in einem Zusammenhang zur jeweils aktuellen Nachhaltigkeitsdebatte (sofern diese geführt wurde) standen. Diese Arbeit möchte damit die Evolution des aktuell verwendeten Begriffes der Umbaukultur der letzten ca. 50 Jahre – vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeitsdebatte – sichtbar machen und daraus Antworten für seine heutige Bedeutung, Verwendung sowie Wirkkraft ableiten.